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"Schützt Leben, nicht Daten!"

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Wolfgang Bauer, Krisenreporter der ZEIT, argumentiert in “Schützt Leben, nicht Daten!”, wieso wir in Deutschland auch so ein rigoroses Tracing bräuchten, wie es das in Südkorea gibt, wo mit allen Mitteln, die sonst etwa zur Aufklärung von Morden, nach Infizierten gesucht wird.

Hier einige Absätze:

Droht dann der Überwachungsstaat? Ich frage: Besteht die Gefahr nicht schon heute? Schon jetzt werden bei Telefonbetreibern die Standortsignale unserer Handys gesammelt. Die Technik existiert seit Langem, kein Potentat müsste sie neu erfinden. Schon jetzt bräuchte es nicht viel, um die geballte Technik auf Demonstranten anzusetzen. Schon jetzt brauchen wir stärkere Datenschutzbehörden und unabhängige Datenschützer – ist das aber ein Grund, die Möglichkeiten in dieser Notlage nicht zu nutzen? Die Tatsache, dass wir uns heute dieser Option verweigern, wird es in Zukunft nicht weniger wahrscheinlich machen, dass ein Diktator diese Technik missbraucht.

Unsere Politiker haben in der Corona-Krise unvorstellbare Beschränkungen der Freiheitsrechte vorgenommen – die Schließung von Schulen und Kindergärten, das Versammlungsverbot, die Besuchsverbote; doch warum sind sie ausgerechnet beim Datenschutz so mutlos? Weil der Schutz unserer Daten ein höheres Gut ist als der Schutz unserer Gesundheit?

Ich halte den Datenschutz in hohen Ehren. Mein Leben hängt oft an ihm. Als Reporter in Krisengebieten bin ich häufig gehackt worden, in Pakistan vom Geheimdienst; im Irak von der Regierung, mit der Folge, dass ich die Region verlassen musste. Datenschutz kann Leben schützen. Nicht aber in Zeiten dieser Epidemie. In dieser Krise bedroht er unser Leben.

Ich bin normalerweise immer Pro-Datenschutz, aber dieser Artikel regt mich tatsächlich ein wenig zum Nachdenken an. Ja, Datenschutz ist wichtig und sollte bei den Prioritäten auch immer ziemlich weit oben stehen, aber was ist wichtiger, Leben oder Daten? Und wie im Text beschrieben, durch Lockdown-Maßnahmen wurden bereits viele Freiheitsrechte eingeschränkt, sind einige davon nicht mindestens genauso wichtig wie der Datenschutz?

Und da das bisherige Vorgehen nicht mehr zu wirken scheint, müssen irgendwann andere Maßnahmen her, sonst gibt es Lockdown für Lockdown, tausende Menschen sterben und am Ende sind wir alle in einem elenden Chaos – wobei ich mittlerweile eh davon ausgehe, dass dies irgendwann der Fall sein wird, wenn in der Gesellschaft nicht ein großes Umdenken stattfindet und einfach weiter so gehandelt wird, wie es schon immer gemacht wurde.

https://www.zeit.de/2020/32/coronavirus-datenschutz-rueckverfolgung-infektionsketten-app/komplettansicht

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Jan-Lukas Else
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