Jan-Lukas Else

Gedanken eines IT-Experten

Ein guter Tag für die Netzneutralität

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Die Telekom und Vodafone haben einen auf die Finger bekommen. Die Bundesnetzagentur untersagt die Vermarktung der Zero Rating-Optionen „StreamOn“ und „Vodafone Pass“. Die Optionen würden gegen die Netzneutralität verstoßen, weil sie den Datenverkehr nicht gleich behandeln, wie der EuGH im September 2021 entschieden hat.

Heute ist also ein guter Tag für die Netzneutralität in Deutschland. Solche Zero Rating-Optionen sorgen nämlich dafür, dass manche Dienste-Anbieter bevorzugt werden. So wird bei der Telekom etwa mit dem „StreamOn Social&Chat“ der Datenverkehr zu Facebook, Twitter und TikTok nicht vom verfügbaren Datenvolumen abgezogen, der Datenverkehr zu einer Mastodon-Instanz aber schon. Da ist es doch klar, dass man lieber ein bisschen mehr auf Twitter bleibt, statt sich doch mal mit der Alternative Mastodon zu beschäftigen.

Ich bin gespannt wie Telekom und Vodafone nun reagieren. Schließlich sind es gerade diese Zero Rating-Optionen gewesen, die manch einen Kunde überzeugt hat, vielleicht doch die 40 Euro pro Monat (ohne Rabatte) für einen Tarif mit 6 Gigabyte bei der Telekom zu verschmerzen. Für den Preis (ohne Rabatte) gibt es bei o2 schon einen unbegrenzten Tarif, der die Internetnutzung bloß anhand der Bandbreite begrenzt. Oder alternativ ein Tarif mit 60 Gigabyte Datenvolumen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

Hier einmal eine Übersicht der Telekom-Tarife:

Übersicht über Telekom-Mobilfunk-Tarife

Und hier alternativ o2:

Übersicht über o2-Mobilfunk-Tarife

Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das o2-Netz nicht mehr so schlecht ist, dass dieser Preisunterschied gerechtfertigt ist. Zudem gibt es auch über Reseller wie “freenet funk” Tarife, die bereits für 99 Cent pro Tag (also ca. 30 Euro pro Monat) unbegrenztes Datenvolumen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung im o2-Netz anbieten.

Ich bin der Hoffnung, dass dieser Schritt der Bundesnetzagentur ein Ende der stark begrenzten Datenvolumina bei deutschen Mobilfunkverträgen bedeutet und zukünftig genau wie bei Festnetztarifen auch einfach nur noch nach der Bandbreite unterschieden wird. Da wird auch nicht nach Gigabyte abgerechnet, wieso dann also beim Mobilfunk?

Schon heute nutze ich, obwohl ich eigentlich nie so viele mobile Daten verbrauche, einen unbegrenzten Tarif, der auf 10 Mbit/s begrenzt ist, und bezahle dank Rabatten 20 Euro pro Monat dafür. Seitdem ich diesen Tarif nutze, brauch ich mir gar keine Gedanken mehr über meine Internetnutzung unterwegs zu machen. Endlich muss ich nicht mehr in jeglichen Apps auf meinem Smartphone die Einstellungen so anpassen, dass bei mobiler Datennutzung nur möglichst wenig Daten verbraucht werden. Die Geschwindigkeit reicht zum Schauen von Full-HD-Videos ohne Probleme aus und auch kann ich, sollte mein VDSL mal ausfallen, über mobiles Tethering ohne Probleme weiter von zuhause arbeiten.

Ich frage mich, wieso man freiwillig Mobilfunk-Kunde bei der Telekom bleibt? Außer dem Roaming in der Schweiz und wenn man vielleicht in einer Ecke wohnt, wo nur die Telekom gutes Netz bietet, fallen mir da keine guten Gründe ein. Umso unverständlicher, wenn Telekom-Kunden, die sich bisher auf StreamOn verlassen haben, in Kommentarspalten nun der Bundesnetzagentur die Schuld für ihr geringes Datenvolumen zuschieben.

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Jan-Lukas Else
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